Je suis arrivée, I arrived, ich bin angekommen
So, es ist vollbracht. Nach 2 Tagen Fahrt, Übernachtung in Nürnberg und 1.400km mehr auf dem Tacho bin ich dann mit 1,5 Stunden ungewollter Stadtrundfahrt in meinem neuen zu Hause für die nächsten 6 Monate angekommen.
Aber vorweg noch ein paar nette Erlebnisse während der Fahrt.
Es kann echt verdammt langweilig sein, wenn man den halben Tag im Auto verbringt und dann findet man es auf einmal total irre, wenn man im Raum Freiburg einen FRI sieht :-) Und überall HHler. Ich hatte das Gefühl, die halbe Stadt war unterwegs. So groß ist die Stadt schließlich auch nicht, die Sau.
Als ich aus Nürnberg abgefahren bin, musste ich in Richtung Neuendettelnsau fahren, da dachte ich auch „Neuendettelnsau, die Sau“ *grins*
Kurz vor Basel an der Grenze waren dann noch überwiegend deutsche Kennzeichen zu sehen, aber als ich dann freundlich von dem guten Menschen an der Grenze durchgewunken wurde, hatte ich das Gefühl, dass sich das innerhalb von Sekunden geändert hat. Klar, ich war natürlich in der Schweiz, aber hallo? die anderen können sich doch nicht so schnell verteilen? Nun gut. Ich also sehr darauf geachtet nicht zu schnell zu fahren, denn hier wird das ganz schnell richtig richtig teuer. Und dann war erstmal eine halbe Ewigkeit Baustelle - nerv. Ich bin dann hinter einem halbwegs chefigem Merzedes gefahren mit einem riesen L drauf für: ich Lerne noch. Hm, joa, ich kann zwar gerade erst Autofahren, aber ich hab ja Geld und da kauf ich mir doch gleich nen Benz. Ich fand das irgendwie paradox. So ein Schlitten verunstaltet durch einen RIESEN Aufkleber. Klingt jetzt vielleicht negativ, aber irgendwie passte das für mich auch ein bisschen hierher. Und als ich dann das Mädel am Steuer sah… No further comment.
Naja, irgendwann eine Stunde hinter der Grenze musste ich dann mal für kleine Königstigerinnen. Also nächsten Parkplatz angesteuert. Keine grimmige Klofrau, die einen dumm anmacht, wenn man ihr nicht sofort ihr ganzes Kleingeld zuschmeißt, oder ein Drehkreuz bei dem man 50 Cent für die Benutzung einwerfen muss. Nein, auch so saubere Toiletten.
Dort hab ich dann noch kurz meinen ersten richtigen Blick auf die Alpen genossen.

Schnee, Skifahren und Sonne :-)
Und weiter, ich wollte ja schließlich noch am Donnerstag angekommen. Wie gewohnt also links gehalten Richtung Parkplatz Süd. Hab dann allerdings eine Brücke überquert und war auf dem Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite. Hm und jetzt? Also gefragt. Einen jungen Kerl, der gerade tankte. Der hat erstmal mit Schwizer Dütsch seinen älteren Kollegen gefragt und wir sind dann gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, wo es nur weitergehen kann. Kurzer Exkurs zum Schwizer Dütsch. Wisst ihr überhaupt, warum die Schweizer immer so im Rachen sprechen? Na, weil sie das Dreieck im Hals haben.
Nun gut, zurück zur Parkplatz-Story. Gesagt, getan, ich kam wieder auf die Brücke, der Weg war hinter der Tankstelle versteckt. Und da habe ich dann gesehen, dass ich einmal ganz rechts einen großen Bogen um die Tankstelle machen muss, um zurück auf die Bahn zu gelangen. Das fand ich schon recht ungewöhnlich, aber wie sagt man so schön. Andere Länder, andere Sitten. Soviel zu meinen Erlebnissen während der Fahrt.
Ok, kurz zu meiner unfreiwilligen Stadtrundfahrt.
Ich war am Donnerstag so gegen 19 Uhr kurz vor Genf und hab unglücklicherweise die falsche Abfahrt genommen und man kann es sich nicht vorstellen, aber bis ich im Zentrum war, gab es keine einzige Möglichkeit zu wenden. Nur höchst illegal über 2 durchgezogene Linien fahren, aber ich dachte mir ich muss hier nicht gleich bei der Einfahrt auffallen. Also brav und artig immer geradeaus gefahren und habe dann so halb die tolle Aussicht auf den Jet d’Eau (Wahrzeichen der Stadt, Fontäne im Genfer See) und den Lac Léman (Genfer See) genossen.
Naja, ich musste ja irgendwo anhalten und fragen. Da mein Französisch im Moment noch zu Wünschen übrig lässt also auf Englisch. Ich musste zu Plan-les-Ouates. Ich dachte man spricht Ouates Ut aus, also danach gefragt und der nette Mensch antwortet: Plan-les-What. Naja, klassischer Fehler und erinnerte mich an The new leader of China (Who ist the new leader of China? Hu is new leader of China.). Es dauert nicht lange, da dämmerte mir der Fehler.
Um halb 10 war dann mein Auto entladen und ich bin nur noch rückwärts in mein Bett gefallen. Aber nicht bevor mich die Wohnung ein wenig vom Hocker gehauen hat. Ich konnte mir ja schon denken, dass es nicht schlimmer kommen kann als in Hannover, aber so? Mein Zimmer geht zu einem der zwei Balkone raus. Wir haben eine nette offene Küche mit Essbereich, Wohnzimmer und Balkon, zwei Badezimmer, Gästetoilette, Garagenstellplatz und Keller. Noch Fragen? Futurischtisch ist unser Haustür-Postfach-Garagentor-Fahrstuhl-einfach-alles-verwenbarer-Schlüssel. Damit lässt sich hier, insbesondere im Keller fast jede Tür öffnen *g* Nette Sache.
Freitagmorgen (sieht komisch aus, oder? Aber das ist der Vorschlag von Word es zusammen zu schreiben…) ist dann mein Mitbewohner angekommen. Wir wohnen hier zu viert. Zwei Mädels, eine aus Frankreich, Henriette, die andere aus Italien, Federica und seit Freitag noch ein Franzose Charles. Die beiden Mädels sind aber gerade ausgeflogen, aber wir sind gespannt. Charles macht schon Witze über den Namen Henriette (ausgesprochen Onriette). Ich hab ihm irgendwie versucht zu erklären, dass es mich an Henriette die Bimmelbahn erinnert. Als Gegenzug hab ich dann gesagt, dass ich den Namen Torben Heinz Norbert ziemlich abgefahren finde. Norbert ist ja eher solala, aber in Verbindung mit Heinz? Und es gibt denjenigen mit dem Namen tatsächlich und er ist ungefähr in meinem Alter.
Freitag war dann erstmal auspacken angesagt. Irgendwie hatte ich dann doch eine Menge dabei, aber auch viel nützliches Zeugs! Insbesondere die Auslandsstecker. Was ich bis jetzt noch nicht wusste, wir haben zwei verschiedene Größen von Steckern in Deutschland. Dünnere und dickere. Die dünneren sind die, die nur bis zur Hälfte silber sind, die dickeren (wie z.B. von meinem Notebook) sind ganz silber. Nun gut, die dünneren passen hier ohne Probleme in die Steckdose und für die anderen hab ich ja meinen Auslandsstecker. Ha, falsch gedacht, denn der von meinem Notebook und auch der von der Doppelsteckdose, an die die schlaue Jenny gedacht hat, passten nicht. Wer bitte ist für so was zuständig? Man sollte doch zumindest glauben, dass die dann passen, oder würde jemand von euch das vorher testen? Naja, ich zum Glück meine multifunktionale Miniwerkstatt dabei - Zange raus und frei nach dem Motto: was nicht passt wird passend gemacht.

Hier das Beweisfoto
Abends sind wir beide dann Richtung Innenstadt gefahren, da wir kein Kleingeld für den Fahrkartenautomat hatten, sind wir guter Dinge zum Busfahrer, um dort eine Karte zu kaufen. Der sagte nur bei mir können sie keine kaufen, es interessierte ihn aber auch herzlich wenig, das wir dann nicht ausgestiegen sind. Charles hat dann nachgefragt wie das mit Kontrollen aussieht. Joa, gestern haben sie kontrolliert, von heute wüsste er das nicht. Wir haben uns dann kurzerhand entschlossen im Bus zu bleiben, da der nächste eine halbe Stunde später fuhr und wir um halb 10 verabredet waren. Jeder deutsche Busfahrer hätte uns sofort aus dem Bus verbannt. Naja, mit einem recht schlechten Gewissen, aber der Zeit im Nacken, sind wir dann die erste Fahrt schwarzgefahren und haben auf das Anfängerglück gehofft. Wir hatten es. Ein Glück! In der Stadt haben wir eine Deutsche getroffen, die ich über Studiverzeichnis kennengelernt habe, und wir sind mit ihr und ein paar Leuten auf eine Party gegangen. War ganz nett, aber verdammt teuer. Ein Bier 0,33, auch noch aus der Dose 7CHF, das entspricht 4,60 EUR. Heinecken. Aber ich habe heute Becks gesehen - juhu!
Heute ging es dann auf Richtung Lac Léman (Genfer See). Auf dem Weg dahin, wir standen gerade vor einem Manor (so wie Karstadt), merkte ich, dass mir was in den Rücken gefallen ist. Ich hab mich vorgebeugt und wollte das Viech beseitigen, da merke ich nur wie es relativ heftig ziept. Na toll, mein erster Gedanke war eine Wespe. Charles hat das Tier dann nur fix rausgeholt, gesehen haben wir es aber beide nicht so richtig. Es war nur verdammt klein. Wir hatten überlegt ob es eine Spinne war, weil es so von oben herab kam und ich sah mich schon gedanklich mit dem Gelben-Engel-Jet in die Tropenstation befördert, als uns später erzählt wurde, dass es sich um so was wie einen Entenfloh oder so ähnlich handelt. Die fliegen hier wohl ab und an durch die Gegend. Super! Bin ich etwa eine Ente? Naja, ich werde es überleben.
Wir sind dann an einem Supermarkt vorbeigekommen, der ein bisschen wie Lidl aussah. Also erstmal rein, weil alles was günstig ist, ist gut! Hier gegenüber ist ein Coop, da ist es schon gut teuer. Philadelphia 200g locker mal eben 4 EUR. Tja, wer es sich leisten kann.
Ok, der Supermarkt war dann tatsächlich nicht so teuer und wir sind dann auch relativ zügig Richtung Schokolade gelaufen. Ich dachte ich guck nicht richtig. Eine normale Tafel Lindt Kresta kostet bei uns, soweit ich mich recht erinnere irgendwas um die 2 EUR. Hier sind es 1,65 CHF, das entspricht ziemlich genau 1 EUR. Hier also quasi Billigschokolade. Ok, ich weiß also, was Weihnachten in meinen Koffer sein wird :-)
Wir sind dann weiter Richtung Lac Léman. Nur leider war der Himmel heute (Samstg) nicht so schön blau wie gestern, aber es war trotzdem echt beeindruckend.

Rechts die Fontäne

Witzige Idee, sie erinnerte mich an ein lustiges Ereignis in Dangast...
Wir wollten dann eigentlich zu einem Supermarkt, weil wir ja beide noch den halben Basic-Einkauf erledigen mussten, sind dann aber in einem Victorinox Laden hängen geblieben und haben erstmal jeder ein Schweizer Taschenmesser gekauft.

Sogar mit dem schicken neuen Design und jetzt brauch ich beim nächsten Helgoland-Camping-Urlaub keine wildfremden Camper nach einem Weinflaschenöffner fragen
In dem Laden haben wir uns aber recht lange aufgehalten, so dass wir dann nur noch in dem Supermarkt am Bahnhof einkaufen konnten, der natürlich nicht zu den aller günstigsten gehört. Ich wollte mir einen kleinen Camembert kaufen, der sollte dann aber 6,90 CHF kosten (4,50 EUR). Ok, doch verworfen die Idee, mit dem leckeren Aufschnitt.
Ach und im Land von Schokolade und Käse gibt es übrigens keinen Gouda. Zumindest habe ich noch keinen gesichtet. Also, wer mich besuchen kommt, bitte Gouda am Stück mitbringen :-)
Also, wer mich besuchen möchte: bitte anmelden, die Wochenenden gehören mir, soweit sieht es jedenfalls aus. Und bitte der Reihe nach und nicht so drängeln *lol* Aber mal im Ernst, schreibt mir eine Mail und dann sehen wir weiter.
Und jetzt sitzen wir beide hier in meinem Zimmer (Charles hat seinen Reisestecker vergessen und schnorrt sich bei mir durch) und schreiben unseren ersten Reisebericht. Seit heute haben wir unsere Gespräche um eine Sprache erweitert, ich habe gesagt, ich möchte ab heute französisch sprechen, aber einfach ist das nicht. Mir fehlen so viele Wörter. Aber ich gehe mal davon aus, dass das in 2 Wochen anderes aussieht.
Wir verstehen uns jedenfalls. Gestern haben wir einen kurzen Deutsch Exkurs gemacht. Er hat „sein“ in Deutsch konjugiert, ich brauchte beim französischen-sein-konjugieren Gott sein dank keine Hilfe. Er macht sich allerdings bereits jetzt über meinen Akzent lustig und der runnig gag hat sich als „un petit peu“ von mir und „Fronkroisch“ von ihm herausgestellt.
Heute als wir am Lac Léman entlang gelaufen sind, kam uns eine Joggerin entgegen, die recht dick Lippenstift trug, der aber nicht mehr so ganz gerade aufgetragen aussah. Wir guckten uns nur an und sagten ungefähr das gleiche, soviel wie: wie kann man nur?
Ich muss feststellen, dass es echt nicht so ganz leicht ist zwischen 3 Sprachen hin und her zu springen. Nachdem wir unsere Schweizer Messer gekauft hatten, standen wir draußen und ich plapperte drauf los. Auf Deutsch. Charles guckte verwirrt, es brauchte ein paar Sekunden bis es mir dämmerte, dann lachten wir kurz und ich legte den Hebel um. Teilweise spreche ich mitten im Satz was auf Französisch oder Deutsch, aber überwiegend schon Englisch. Noch.
Zum Schluss dann noch ein paar generelle Details:
Ich habe mir hier eine Prepaidkarte gekauft, so zahle ich pro SMS nur 6 Cent statt irgendwie 40 Cent, habe aber ja noch meinen deutschen Vertrag, renne jetzt also dekadent mit zwei Handys durch die Gegend. Wer also kein Vermögen loswerden will, es ist günstiger auf meine alte Nummer zu schreiben. Deswegen macht es für mich auch keinen Sinn die neue Nummer groß zu verteilen.
Und wer mir eine Karte schreiben will, hier meine Adresse:
Jenny Weidner
5, Place des Aviateurs
1228 Plan-les-Ouates
Switzerland

Und hier nochmal bildlich dargestellt. Den Balkon auf der Ecke teile ich mir mit meiner Mitbewohnerin
Gratulation, sie haben es geschafft bis zum Ende durchzuhalten (oder gehörten zu denjenigen, die gerne mal das Ende zuerst lesen *g*)
Hiermit schließe ich offiziell meinen ersten Reisebericht aus Genf ab und mal sehen, was die Zukunft noch so alles bringt.
Nachtrag.
Heute ist Sonntag, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich komme erst morgen dazu den Blog hochzuladen, daher noch mal fix was zu heute.
Charles und ich haben die Gegend erkundschaftet. Sieht alles sehr sehr nett aus! Hier um die Ecke ist ein Schwimmbad, sehr schön!
Als wir zurück waren, haben wir dann unsere Mitbewohnerin kennengelernt. Die aus Italien. Charles und Federica sind dann gleich erstmal zur Firma gefahren, so dass Charles mir morgen den Weg zeigen kann und nach Frankreich rüber (6 Minuten Fahrt), weil der Supermarkt dort um einiges günstiger ist. Federica wollte ihm das nur zeigen, da wir morgen dort einkaufen wollen. Ich bin derweil hier um die Ecke gegangen und habe meine Füße in einen Minipool gehalten, zur Abkühlung und habe mein Buch „Gebrauchsanweisung für die Schweiz“ angefangen zu lesen. Eigentlich wollte ich damit heute fertig sein, aber habe nur das erste Drittel geschafft. Der Rest folgt in der Woche. Und ja ihr lest richtig, zur Abkühlung, es war heute echt heiß. So um die 30 Grad. Das Wetter soll aber nicht mehr lange so bleiben. Ich hab mir sagen lassen, dass der Winter hier irre plötzlich hereinbricht. Aber auch ok, dann kann ich umso schneller zum Skifahren!
Die vierte Mitbewohnerin haben wir dann auch noch kennen gelernt. Sie kann nicht so gut englisch, aber umso besser für mich, ich will ja französisch sprechen.
Jetzt werde ich mir gleich noch mal ein Buch zur Hand nehmen und dann starte ich morgen in meinen ersten Arbeitstag. Ich bin gespannt.
Bonne nuit, good night und gute Nacht

1 Comments:
Hey meine Süße!!! Na endlich was zu lesen :) und danke auch für die lange mail, ich setz mich heute abend in ruhe dran und schreib dir ne antwort!
Erzähl Charles mal von einem Auktionär in Schneverdingen der Olaf Alf mit Vornamen und Frank von Frankenstein mit Nachnamen heisst und Torben Heinz Norbert wird vergessen sein ;)
Ich hoffe du hast von dem hinterhältigen Angriff des Entenflohs keine bleibenden Schäden behalten.. nicht dass dir über nacht Federn aus dem Po spriessen oder dir ein Schnabel wächst.. ist ja wohl klar dass du dir da noch einige Witze anhören werden musst...
Hast du Charles mal das Dangastbild gezeigt? mit der Fontäne könnte man auch noch ganz andere Späße machen ;)
Achja und zu deinem MEsser, also ich sehe da keinen Korkenzieher und ausserdem ist es viel abenteuerlicher alte Männer unter Straßenlaternen auf Korkenzieher anzusprechen.. ;)
So nun werd ich hier mal weitertüddeln und heute abend setz ich mich dann an deine Mail...
und nochmal, ich freu mich riesig für dich dass du so einen super start hast!!! ich wünsch dir weiter alles alles liebe und ich drück dich ganz ganz doll
ich hab dich lieb bis dann deine Anika
7:08 AM
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